Umverteilung kritisch beleuchtet: ECAEF vergibt Vernon Smith Preis

umverteilung

Volksblatt: Dienstag, 29. Januar 2013

Prämierung
Kann staatliche Umverteilung gerechtfertigt werden? Mit dieser Frage setzten sich im Rahmen eines EssayWettbewerbs Studenten aus aller Welt auseinander, gestern wurden die drei besten in Vaduz ausgezeichnet.

von martin hasler

«Eine Regierung, die Peter bestiehlt, um Paul zu bezahlen, kann sich auf die Unterstützung von Paul verlassen»: Dieses Zitat von George Bernard Shaw bildete den Ausgangspunkt für den Essay-Wettbewerb, den die European Center of Austrian Economics Foundation (ECAEF) mit Sitz in Vaduz nunmehr zum fünften Mal durchführte. Bei der Preisverleihung präsentierten gestern Abend in der Hofkellerei die drei von einer Fachjury prämierten Studenten ihre Aufsätze und stellten sich der Diskussion mit dem Publikum: Cameron Harwick (USA, erster Preis), Benjamin Buchthal (Deutschland, zweiter Preis) und Lode Cossaer (Belgien, dritter Preis).

Warnung vor «Umverteilungsfalle»

Nach der Begrüssung durch ECAEF-Präsident Prinz Michael bot Wirtschaftsprofessorin Barbara Dluhosch mit einem Referat zur «Verteilungsfalle» einen Einstieg in das Thema des Abends. Angesichts der Krise in Europa werde der Ruf nach Umverteilung und sozialer Gerechtigkeit immer lauter, stellte sie fest: «Die Fundamente unseres Wohlstands – Markt und Wettbewerb – werden dadurch untergraben.» Wo der Staat Hilfe anbiete, werde diese auch in Anspruch genommen – egal, ob sie tatsächlich benötigt werde oder nicht. Das führe zu einem aufgeblähten Staatsapparat, der durch immer höhere Ansprüche überfordert und ausgetrocknet werde. Dluhosch argumentierte nicht grundsätzlich gegen Umverteilung, plädierte aber für eine klare Begrenzung. Ihr Fazit: «Nur ein schlanker Staat kann auf Dauer Sozialpolitik betreiben.»Dieser staats- und umverteilungskritische Geist in Kombination mit der Bekenntnis zu Unternehmertum und Freiheit bildet das Fundament der österreichischen Schule, welcher sich die ECAEF verpflichtet fühlt. Berühmte Exponenten dieser ökonomischen Denktradition sind Denker wie Friedrich von Hayek und Joseph Schumpeter. Hayeks Idee von der Idee der sozialen Gerechtigkeit als «schwerste Bedrohung der (…) Werte einer freien Zivilisation» zog sich denn auch wie ein roter Faden durch den Abend.

Vorstellung der besten Essays

In der Zusammenfassung seines Essays, mit dem er den ersten Platz belegte, konzentrierte sich Cameron Harwick aus den USA nicht primär auf Umverteilung zur Schaffung von Gleichheit, sondern auf eine aus seiner Sicht valable Alternative dazu: Wenn der Staat durch Gleichheit vor dem Gesetz und eine freie Marktwirtschaft die richtigen Rahmenbedingungen schaffe, so sein Argument, führe das zu einer Angleichung der Verhandlungsmacht verschiedener gesellschaftlicher Gruppen. Das wiederum befriedige schlussendlich beide Seiten des politischen Spektrums – die Linke mit ihrer Betonung moralischer Prinzipien, die Rechte mit ihrer Konzentration auf den Rechtsstaat.Der zweitplatzierte Benjamin Buchthal, Philosophiestudent aus Hamburg, erteilte in seinen Ausführungen der rechten Extremposition in der Debatte – dass Umverteilung immer Diebstahl sei – eine Absage. Umverteilung ja – aber nur, wenn sich ihre positiven Effekte auf die unteren Bevölkerungsschichten klar demonstrieren lassen: So liesse sich Buchthals Hauptthese kurz zusammenfassen. Als erstes Etappenziel auf dem Weg zu einem gerechteren System plädierte er vor diesem Hintergrund für ein Ende der horizontalen Umverteilung innerhalb der Mittelklasse, die den Staat unnötigerweise Geld koste und gleichzeitig ineffizient sei. Lode Cossaer aus Belgien holte mit seinem Aufsatz den dritten Preis. Er stellt darin Steuern als Entgelt für staatliche Leistungen und weniger als Beiträge zur Umverteilung dar. In einer Gegenüberstellung zwischen Staat und Gemeinschaft kam er zum Schluss, dass die Vorteile des Lebens in einer Gemeinschaft mögliche durch Umverteilung erlittene Nachteile unter gewissen Bedingungen aufwiegen können.

Konto-Nr.: 92161700.2001, Liechtensteinische Landesbank