Die Betrachtung des Deckungsgrads reicht nicht aus

Altersstruktur einer Pensionskasse als wichtiges Kriterium

feb. Die Schweizer Pensionskassen haben ein starkes Anlagejahr hinter sich. Wie die Anlagegesellschaft Swisscanto am Dienstag bekannt gab, haben die von ihr erfassten Vorsorgeeinrichtungen im vergangenen Jahr eine Rendite von 6,7% erzielt. Dies führte dazu, dass der durchschnittliche Deckungsgrad – also das Verhältnis der Verpflichtungen zu dem angesammelten Vorsorgekapital – bei den privatrechtlichen Pensionskassen um 4 Prozentpunkte auf 106,8% gestiegen ist. Öffentlichrechtliche Kassen mit Vollkapitalisierung, die wie ihre privaten Pendants Schwankungsreserven aufbauen und einen Deckungsgrad von 100% anstreben, erreichten eine Verbesserung um durchschnittlich 3,2 Punkte auf 98,5%. Öffentlichrechtliche Kassen mit Staatsgarantie erhöhten ihren Deckungsgrad um 3,2 Punkte auf 74,7%.

Diese Zahlen sind für Herrn und Frau Schweizer insofern relevant, als das Pensionskassenkapital für viele den wichtigsten Vermögenswert darstellt. Von den privatrechtlichen Kassen lagen laut Swisscanto per Ende 2012 noch 12% in Unterdeckung (Vorjahr: 25%), während die öffentlichrechtlichen Einrichtungen eine Unterdeckungsquote von 58% (zuvor 73%) aufwiesen.

Die Zahlen zeigen eine Verbesserung der Situation bei den Deckungsgraden. An den Informationstagen der beruflichen Vorsorge in Zürich wiesen vergangene Woche indessen mehrere Experten darauf hin, dass diese Kennzahl mit Vorsicht zu geniessen sei. Laut Christoph Plüss, Partner der Gesellschaft Allvisa, lassen sich Pensionskassen anhand von Deckungsgraden nicht gut vergleichen. Der Deckungsgrad einer Vorsorgeeinrichtung wird gemäss Art. 44 BVV2 mit dem technischen Zinssatz berechnet, und dieser wird vom Stiftungsrat festgelegt. Die Beurteilung einer Pensionskasse aufgrund ihrer finanziellen Lage – also durch den Deckungsgrad – reicht laut Plüss nicht aus, vielmehr müsse die Risikobeurteilung durch andere Parameter wie ein finanzielles und strukturelles Risikoprofil ergänzt werden.

Um einen Wert mit einer grösseren Aussagekraft über die Lage der Pensionskasse zu erhalten, fordert Plüss, weitere Kennzahlen aus der Jahresrechnung und das demografische Verhältnis der Anzahl Aktiver im Vergleich mit der Anzahl Rentner einzubeziehen. Vertreter der Pensionskassen-Beratung PPCmetrics verdeutlichten dies anhand eines Beispiels. So sei eine Vorsorgeeinrichtung mit einem Deckungsgrad von 90%, aber einem Verhältnis von Aktiven zu Rentnern von 90% zu 10% durchaus besser «aufgestellt» als eine andere Kasse mit einem Deckungsgrad von 98%, aber einem «Aktiven-Rentner-Verhältnis» von 30% zu 70%. So müsse bei einer Bewertung einer Pensionskasse stets auch deren Struktur berücksichtigt werden.

NZZ, 23. Januar 2013

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