«Das Problem muss gelöst werden»

talkabend

Vaterland: Donnerstag, 21. Februar 2013

Die Pensionsversicherung für Staatsangestellte ist schon lange ein Thema. Bisher gab es aber keine nennenswerten Fortschritte bei der Problematik zu vermelden. Deshalb führte der Human Resources Development Verband gestern einen Thementalk durch.

Vaduz. – Der erste Talk-Abend des Human Resources Development Verbandes (HRD) klang vielversprechend: DasThema «Pensionsversicherung für das Staatspersonal» ist aktuell, die Idee, ähnlich der Fernsehsendung «Arena» zu diskutieren, ist originell. Zu Beginn standen Nicolas Biedermann, Liechtensteiner Schauspieler, und Karlheinz Ospelt, ehemaliger Bürgermeister vonVaduz, dem Moderator Ralph Büchel,Vorstandsmitglied des HRD, in vorgegebenen Rollen Rede und Antwort. Biedermann vertrat in seiner Rolle die Versicherten und Pensionäre, Ospelt diejenige des Volkes. In einem waren sich beide bereits zu Beginn einig: Das Problem muss gelöst werden.

Löcher in der Staatskasse

«Das System ist klar unterfinanziert und kann mit diesen Beiträgen die versprochenen Leistungen nicht finanzieren », begann Ospelt. Der Leistungsprimat sei nicht fair, weder für die Einwohner Liechtensteins, noch für dieVersicherten selbst, welche unter der Unterfinanzierung zu leiden hätten. Der Staat müsse schnellstmöglichst handeln. Anderweitig Versicherte müssten Defizite ihrer Pensionskassen selbst bezahlen, es dürfe nicht sein, dass sie nun auch noch dieses Defizit zu finanzieren hätten.

Biedermann konterte, er habe als Staatsangestellter keine Entscheidungsmöglichkeit bezüglich der Pensionskasse gehabt. «Ich werde nun für ein System bestraft, das vorgeschrieben ist», sagte er.Auch wenn er ein Staatsangestellter sei, so sei er trotzdem auch Bürger und zahle seine Steuern, also sei es nur richtig, dass der Staat das Defizit ausgleiche. Das Problem bestehe bereits länger und Biedermann ist überzeugt, wäre früher gehandelt worden, wäre es nie so gross geworden.

Emotionales Thema

Sobald es um Geld geht, kommen verständlicherweise Emotionen hoch. So rechnete Ospelt vor, dass trotz einer Abdeckung von 73 Prozent ein Staatsangestellter immer noch mehr Pension erhalte als ein anderer Bürger mit gleichem Lohn, während sich Biedermann zu fragen begann, woher er denn die Motivation nehmen soll am nächsten Tag arbeiten zu gehen, sollte seine Pension tatsächlich gekürzt werden.

Nach Lösungen wurde gesucht, gefunden wurde aber keine, die beide zufriedenstellen konnte. «Viele Sanierungsmassnahmen gibt es nicht. Die Leistungen können reduziert oder die Beiträge erhöht werden», sagte Bruno Matt, Präsident des Pensionskassenverbandes, als die Runde um die eingeladenen Fachexperten erweitert wurde. Den fehlenden Deckungsgrad merke man erst, wenn die Pensionskasse vom Leistungsprimat auf einen Beitragsprimat umgestellt werde.

Dass ein dermassen negativ vorbelastetes Thema Emotionen hervorrufen kann, ist verständlich. So wurden aus dem PublikumVorwürfe laut, wieso nicht schon lange auf den Beitragsprimat umgestellt worden ist, wie es in den Nachbarländern bereits gemacht wurde. «Das Thema ist sehr emotional, auf dieser Basis ist aber keine Lösung möglich», mahnte Thomas Büchel, ein Zuschauer des Thementalks. Bevor man sich auf weitere Diskussionen einlasse, sei es wichtig, die Grundlagen zu klären, da bei jeder Lösung das Gesetz und die Verfassung eingehalten werden müssen. «Es geht hierbei aber auch um die Verlässlichkeit des Landes Liechtenstein», sagte Büchel.

Verwirrung um Beträge

Im Thementalk kam öfters zur Sprache, dass jeder Einwohner 6000 Franken zahlen müsse, um das Loch in der Pensionskasse stopfen zu können. «Es ist aber nicht so, dass jeder Bürger einen Einzahlungsschein erhält mit der Aufforderung, das Geld direkt einzubezahlen », sagte Albert Frick, Landtagsabgeordneter, Schulsportinspektor und ebenfalls als Zuschauer anwesend. Der Betrag werde über Steuern bezahlt, fehle also nicht direkt beim Bürger.

Am Ende waren sich aber alle einig, dass Handlungsbedarf herrscht und das Problem schnellstmöglich angegangen werden muss. «Wir können die Pensionskassenproblematik nicht auf die nächste Generation schieben. Wenn wir keine Lösung finden, ist das Feigheit, eine Mogelpackung und unfair », sagte Karlheinz Ospelt.

Konto-Nr.: 92161700.2001, Liechtensteinische Landesbank